|
|
|
Am
Anfang des Filmes ist auf der linken Seite der Bauherr, Ernst Rudolf
Bernhard Zersch, zu sehen. Er kommt dann nochmals bei der
Schlüsselübergabe und auf der Brücke vor dem
Herrenhaus im Gut in das
Bild. Nach dem Anfang kommt sein Bruder Dr. jur. Wilhelm (Willy) Karl
Erich Zersch. Es ist der Herr mit Brille und Krawatte.
Später ist auf
dem Baugerüst ein jüngerer, etwas korpulenter Mann zu
sehen, der sich
mit einem Arbeiter unterhält. Dieser junge Mann ist Rudolf
Kurt Theodor
Johannes Zersch. Er hat auch den 8 mm Filme gedreht.
Bei der Einweihung wird u.a. eine Gruppe von Damen mit Hüten
und Kragenpelzen gezeigt und dort ist auch ein blondes Mädchen
(damals
16 Jahre alt). Dies ist die einzige Tochter von Dr. jur. Willy Zersch,
Ingeborg Zersch. |
|
|
|
|
|
|
Ablauf der Feierstunde anläßlich der einweihung des Glockenturmes in Hartmannsdorf
die 1. Seite des Durchführungsplanes
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Elsterthal-Bote
vom 05.10.1936
|
|
|
|
|
Gut
ist es gelungen regsamen Händen
dies stattliche Bauwerk zu vollenden:
Fest soll er stehen in Sonne und Sturm
Der Hartmannsdorfer Glockenturm.
Bald tönen über
Bergeshänge
Der Glocken feierliche Klänge
Und jede mit metallenem Mund
Tut eine weisen Spruch uns kund.
Wirst du die große Glocke fragen,
Was sie dem Menschenherz will sagen,
So hör, was ihre Inschrift spricht,
Ein prächtig Wort, vergiss es nicht:
"Läute Glocke, läute Frieden
Läute Ruh in jedes Herz.
Endet einst mein Weg hienieden,
Läute Du mir himmelwärts."
So ist es bei uns, so war´s bei den Ahnen,
Daß auf des Lebens wechselnden Bahnen
Ein reines Glück nur dann es gibt,
Wenn jeder seinen nächsten liebt.
Vernehmet denn, was es bedeutet,
Wenn die zweite Glocke im Turme läutet,
Vergesst es nicht in des Tages Getriebe:
"Ich bete an die Macht der Liebe."
Vereint mit Ehrlichkeit und Mut
Ist Treue eines Deutschen hohes Gut.
Die Dritte Glocke will die Treue preisen
Und auf den rechten Weg uns weisen.
Sie spricht zu uns in Glück und Not,
Wenn ihre Klänge in das Weltall schweben:
"Sei getreu bis an den Tod,
So will ich Dir die Krone des Lebens geben."
Wenn auf Kindes Haupt zum Segen
Mutterhände fromm sich legen,
Nacht und Finsternis zerbricht,
Vernehmet über des Turmes Stufen
Der vierten Glocke freudig rufen:
"Ich rufe die Jugend,
Ermahne zur Tugend,
Klinge in Freud und Leid
Läute Freiden in Ewigkeit."
Wir haben der Glocken Lehren vernommen,
Dienten sie allen zu Nutz und Frommen!
So lasst uns zu unseres Dorfes Glück und Gedeihn
Die neuen Glocken festlich weihn! |
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
Ansprache
zur Glockenweihe am Reichserntedankfest, den 4.Oktober 1936
gehalten von Herrn Lehrer Bähr aus Hartmannsdorf
|
|
|
|
|
|
|
Sehr
geehrte Familie Zersch, deutsche Männer und Frauen, deutsche
Jugend! |
|
|
Es ist recht so,
wenn heute zur Weihe dieses Glockenturmes und der
neuen Glocken eine so stattliche Anzahl Einwohner von Hartmannsdorf und
Gäste von Nah und Fern herbeigeeilt sind, um die feierliche
Stunde
zu mitzuerleben.
Der Bau eines Glockenturmes und die Beschaffung von Glocken ist
für unser Dorf ein Ereignis von Bedeutung auf Jahunderte
hinaus.
Und weil es nach menschlicher Voraussicht einmalig ist, ist es
für
alle lebenden des Dorfes um so größer und wertvoller.
Ein Dorf ohne Glocke ist wie en Mensch ohne Stimme. Niemand wird dies
mehr empfunden haben als der, der nisher in Hartmannsdorf einen lieben
Angehörigen oder Freund auf dem Wege zur letzten
Ruhestätte
begleitet hat. Noch schmerzlicher wurde immer der trostlose Gang ohne
Klänge mitklagender Glocken. |
. |
 |
|
|
Grundsteinlegung
des Glockenturmes am 18.08.1936 |
|
|
|
Wenn
uns die Glocken auch oft an das Sterben gemahnen und uns immer
wieder die Frage vorlegen: "Wer wird der Nächste sein, den wir
heimgeleiten?" und "Bist Du auch jederzeit fertig und bereit zum
Abschiednehmen?", so rufen sie andererseitz doch auch zu frohen Feiern,
zu freudigen Festen, verkünden Glück und bringen
Erbauung.
Ich weiss, dass manche die
Tränen in die Augen treten werden vor
Ergriffenheit und Freude an der Schönheit dieses herrlichen
Geläutes, wenn es zum ersten Male und vielleicht auch
wiederholten
Male an unser Ohr klingen wird.
|
|
|
Diese Bereicherung unseres persönlichen und auch unseres
gesamten
Dorflebens danken wir Ihnen, sehr verehrter Herr Rittmeister Zersch von
ganzem Herzen, auch wenn Turm und Glocken in Ihrem Besitz und Ihr
Eigentum bleiben werden. Obwohl Sie mich gebeten haben, keine
Lobpreisung auf Sie und Ihre Tat zu singen, halte ich es für
meine
Pflicht - und ich tue dies mit voller Absicht - vor allen Einwohnern
des Dorfes und den Besuchern der Umgebung folgendes als ein Bekenntnis
sichtbarer Tatsachen hier festzustellen:
Was war das Dorfbild vor 10 Jahren? Was ist aus unserem Dorfe und
seiner Umgebung geworden, seitdem Sie, Herr Zersch, wohl mit Hilfe
Ihres Vermögens, aber vielmehr mit schöpferischem
Sinn und
einem auserwähltem Gefühl für
Schönheit und Wert
userem Ort und unserer Gegend ein neues Antlitz geprägt haben.
|
 |
|
Einweihungsfeier
am 04.10.1936 |
|
|
|
Und die Krönung alles
Schönen, was Sie
hier geschaffen haben, ist dieser Turm; er wird nicht nur Wahrzeichen
unseres Dorfes werden, sondern auch ein Schmuckstück und die
Zirde
dieses Berges sein. Lagen bisher dieeinzelnen Häusergruppen
unseres Dorfes wie in alle Winde verstreute Glieder einer Familie
verlassen in der Gegend, so werden sie heute gleichsam mit diesem Turm
verbunden, der sie überragt und betreut wie ein Vater seine
Kinder. Möge damit auch das
Zusammengehörigkeitsgefühl
sämtlicher Dorfleute für alle Zukunft
gefördert werden! |
|
|
"Besitz stirbt, Sippen
sterben, Du selbst stirbst wie sie, eines weiß ich, das ewig
lebt, des toten Tatenruhm."
Wenn unsere Generation längst die Augen geschlossen haben wir,
wird dieser Bau noch Zeugnis ablegen von Ihrem Geiste und von Ihrem
Werk, Herr Zersch, und die Glocken Ihrer Familie werden noch dieselben
mahnenden Klänge in unbestrittener Schönheit zu
Menschen und
Fluren senden.
Das überlegt besonders ihr euch, ihr Buben und Mädel
von
Hartmannsdorf, denn ihr seid nach natürlichen Gesetzen
diejenigen,
die am längsten im Genuss dieses Geschenkes bleiben werden.
Betrachtet deshalb dieses Fleckchen eure Heimat hier als heiliges Land
und verunstaltet nie mit frechen Bubenhänden dieses herrliche
Denkmal einer großen Zeit und edler Menschen. Prägt
es euch,
euren Kindern und Kindeskindern ein, was die Stimmen dieser Glocken zu
uns sprechen!
|
 |
|
Einweihungsfeier
/ Festplatz vor dem Glockenturm am 04.10.1936 |
|
|
|
Unser großer deutscher
Tondichter und Meister der Musik, Richard Wagner, hat ein
Bühnenweihfestspiel
geschaffen: "Parsival". In diesem Weihfestspiel verherrlicht er die
Liebe der Menschen zu einander und zu Gott, die Treue in der
Beständigkeit der
Gesinnung und die Reinheit der Seele als höchste Tugenden.
Parsival, der reine
Held der Tat, erreicht den Gral, das Sinnbild der Erlösung und
des Ewigen
Lebens, und die Heilung des sündhaft gewordenen
Hüters des Grales im siegreich
bestandenen Kampfe gegen alles Böse und die Finstere des
menschlichen Lebens.
Er wird König des Grals, dessen Ritter eine Gemeinschaft der
Liebe, der Treue
und der Tugend bilden und die als mitleidige Starke den inneren Frieden
finden.
Bei der Feier des heiligen Gemeinschaftsmahles dieser Ritter,
lässt Wagner
Stimmen aus der Höhe erklingen, diese verkünden:
|
|
|
|
"Nehmet hin meinen Leib,
nehmet hin mein Blut
um unserer Liebe willen."
Und die Ritter sprechen:
"Nehmet
vom Brot,
wandelt es kühn
in Leibes Kraft und Stärke,
treu bis zum Tod,
fest jedem Müh´n
zu wirken des Heilands Werke."
"Nehmet vom Wein
wandelt ihn neu
zu Lebens feurigem Blute,
froh im Verein,
brudergetreu
zu kämpfen mit seligem Mute."
|
 |
|
Einweihungsfeier
/ Festplatz vor dem Glockenturm am 04.10.1936 |
|
|
|
In diesem Weihfestspiel
ertönen
die Glocken
der Gralsburg in denselben Klängen wie die Glocken dieses
Turmes.
Unsere Hartmannsdorfer Glocken rufen das Glockenmotiv aus Parsival in
unsere Häuser und Herzen. Es ist, als hätten aber
auch
Gedanken aus Richard Wagners Persival der Familie Zersch bei der
Auswahl ihrer Glockeninschriften Pate gestanden. Denn unseren Turm
zieren die Glocke der Liebe , die Glocke der Treue, die Glocke der
tugendhaften Jugend und die Glocke des ewigen Friedens. |
|
|
Und
so deute ich den Sinn des Motives unserer Glocken für die
heutige Zeit:
Wir brauchen Menschen der Tat und der Kraft, die in gegenseitiger Liebe
und Mitgefühl für einander eine opferbereite
Gemeinschaft der
Treue und der Tugend bilden. Wenn wir solche Menschen sind, dann werden
wir den Frieden der eigenen Seele und eine glückliche Zukunft
unseres Volkes und Reiches erringen.
So läutet denn, ihr Glocken, in allen Zeiten über
einem
grossen, freien und geachteten Deutschland, läute Frieden
über unseren herrlichen Tälern und Fluren, und
fordert ihr
einmal im Sturme die Männer des deutschen Reiches zu Schutz
und
Wehr an unsere Grenzen, dann läutet zum Himmel, dass sie nicht
schwert- und ehrlos in die Heimat zurückkehren, läute
zum
Segen und zur Freude unserem Dorfe und der Familie Zersch, - Generation
für Generationen.
|
 |
|
Einweihungsfeier
/ Festplatz vor dem Glockenturm am 04.10.1936 |
|
|
|
Und so grüsse ich die
neugeweihten Glocken mit den Worten Schillers:
"Freude diesem Ort bedeute,
Friede sei ihr erst Geläute."
|
|
|
|
|
 |
 |
| Lehrer
Bähr mit der Schuljugend im Rittergut |
Luise und
Rudolf Zersch zum Erntedankfest vor dem Herrenhaus |
|
|
|
|
|
|
Hiermit
möchte ich Ralf
Zersch für die mir zur Verfügung
gestellten historischen Dokumente, Fotos und Filme herzlich Danken. |
|
|
Diese
Ausarbeitung erfolgte durch
Markus Linnemann.
Eine
Kopie,
auch nur auszugsweise,
ist nur mit Genehmigung des Webmasters und der Familie Zersch
zulässig.
|
|
|
^^nach
oben |
|
|
|
|